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| Am Dienstag vor dem Eurotrial begann noch einmal die heiße Organisationsphase. Alle Helfer, die zu dem Zeitpunkt vor Ort waren, taten ihr möglichstes um die Veranstaltung durchzuziehen. Das Rahmenprogramm würde nicht stattfinden, ein neues Zelt, die Bestuhlung und auch die Beschallung musste neu organisiert werden. Mit dem Caterer und dem Getränkelieferanten wurde neu verhandelt, ebenso mit dem Vermieter von Containern und der Stromversorgung. Alle verfügbaren Ressourcen wurden bemüht: Biertischgarnituren kamen aus allen Teilen Deutschlands, ein 18 x 10m großes Zelt konnte aufgetrieben werden, neue Verträge über die Dusch- und Toilettencontainer ausgehandelt, mit Caterer und Getränkehändler wurde man sich einig, Stromkabel, Aggregate und Unterverteiler tauchten auf – jeder trug bei was er nur beitragen konnte. Die Helfer trugen ihre Verpflegungskosten selbst und zahlten sogar die Helfer-T-Shirts aus eigener Tasche. Die 24 Stunden eines Tages reichten kaum aus und es ist fraglich, ob überhaupt jemand zum schlafen kam. In aller Kürze wurde auch eine Welcome-Party auf die Beine gestellt, mit Bowle für alle und Begrüßung und Eröffnung durch den Eisenberger Bürgermeister Kauth. Die Party tat allen Beteiligten gut und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sie etwas länger und lauter ging... Am selben Abend wurde der Prototyp von Urs Halter und seiner Schwester Pia Hossli auf einen neuen Namen getauft. Ein kleines Ungeheuer ist der Proto und die Farbe ist rot – was lag da näher als der Name „Grisu“? Taufpate Klaus Hofmockel lies sich nicht lumpen und besorgte eine Flasche Champagner und los ging es. Der größte Teil des Schampus ergoss sich jedoch nicht über die Motorhaube sondern in die Kehlen der Taufgesellschaft. Der Freitag startet traditionell mit der technischen Abnahme. Es gab teilweise sehr kuriose Auslegungen des Reglements zum Thema Feststellbremse bei den Prototypen. Da wurde die Bremse mittels Keilen oder Rohren festgestellt – damit ist sie doch festgestellt, oder? Hier muss im Euro-Reglement dringend die Beschreibung verbessert werden. Leider fielen auch deutsche Teilnehmer auf, die natürlich nicht von uns selbst, sondern von den Norwegern geprüft wurden. Besonders an Dominik Keupers LJ 80 „Idefix“ schauten sie genau nach, da dort schon einmal die Federaufnahme bemängelt wurde. Und richtig, wieder gab es Nachbesserungsbedarf. Aber auch die anderen Nationen hatten so ihre liebe Not. Vor allem die Bremsanlagen wurden geprüft und bei so manchem Starter für mangelhaft befunden. Mir ist unklar, warum ein Teilnehmer auf seine eigene Sicherheit verzichtet. Nicht auszudenken, wenn beim bergab fahren keine Bremswirkung vorhanden ist... Die Probesektion forderte die ersten Materialopfer: der noch als Fahrzeugabnahme genutzte Platz ging nahtlos in den Schrauberplatz über. Helmut Kleiner vom MSC Aulendorf sollte eigentlich auf Michael Bauschs Pro-Modified „Gesy“ starten. Doch nach einem Defekt an der Hinterachse bei der Probesektion rückte der Start in unerreichbare Ferne. Noch ein Zwischenspiel am Rande gab es. Am Freitag waren alle 16 Sektionen fertig gesteckt. Acht für die Klassen Standard und Original, die anderen acht für die höheren Klassen. Da kam Grubenbesitzer Klausing und verkaufte kurzerhand eine Sektion. Was war passiert? Die Sektion war auf Sandboden gesteckt, der verkauft worden war. Zwei neue Besitzer dürfen sich also rühmen, echten Eurotrial-Sand ihr eigen zu nennen. Flugs wurde die Sektion ab- und eine neue aufgebaut. Schließlich hatte der Betrieb des Sandwerkes immer Vorrang. Urspünglich sollte die Fahrerparade im Konvoi nach Eisenberg hinein und über den Marktplatz führen. Da das Rahmenprogramm und Moderation jedoch nicht stattfanden, stand die Fahrerparade komplett auf der Kippe. Doch um den Fahrern die Möglichkeit zu geben sich zu präsentieren, wurde eine verkürzte Ausgabe der „drivers parade“ organisiert. Eigentlich war es ein kontrolliertes Verbringen der Boliden vom Fahrerlager zum Parc fermé. Unten im Sandwerk wurde eine Fläche abtrassiert, damit dort jeder einen Kreis ziehen kann um anschließend sein Fahrzeug abzustellen. Janne Bronndal aus Norwegen übernahm die Moderation bzw. Vorstellung der einzelnen Teams, die sich sichtlich freuten sich doch noch präsentieren zu können. Dann ging es los, zwei Tage lang fuhr die europäische Elite im Trialsport die Europameister der verschiedenen Klassen unter sich aus. Die Teilnehmer beschrieben den Wettbewerb als einer Europameisterschaft würdig. Harte Sektionen, die Mensch und Material forderten. Der Platz für die Mechaniker füllte sich am ersten Tag schon früh, als die ersten Allradler mit zerstörten Gelenken auf Reparatur warteten oder nach einem Überschlag den Käfig ausbessern mussten. Menschen kamen nicht zuschaden, der größte medizinische Einsatz wurde durch eine allergische Reaktion auf einen Wespenstich ausgelöst. „Grisu“ scheint noch ein bisschen tappig auf den Beinen zu sein, denn er legte sich am Samstag im Ausgangstor auf die Seite. Fahrer Urs gelang es jedoch den Motor noch mal anzuwerfen und sich mit Geschick aus der Sektion zu bewegen – geschafft, dachte er, und der Applaus der Zuschauer tat gut. Weniger gut war, dass aufgrund der Seitenlage und Ölverlustes der Motor Schaden nahm: Das Ende für Pia und Urs. Auch für den deutschen Modified-Fahrer Michael „Mitsch“ Köhler und Beifahrer Klaus Molzberger war der Wettbewerb schon beendet ohne eigentlich richtig angefangen zu haben. In der ersten Sektion am Samstag kam er noch nicht mal bis zum zweiten Tor. Den Hang davor rollte er mit einem zweifach Überschlag ab – Auto Totalschaden, Fahrer und Beifahrer unverletzt. Oleg Sukhorukov und Anton Filimonov aus Russland überschlugen sich in der Sektion 8 und zerstörten sich den Überrollbügel an ihrem Jeep Wrangler. Der SJ von „Mitsch“ erlebte somit doch noch einen Einsatz: aus dessen Käfig wurde nach Rücksprache kurzerhand ein neuer Bügel für den Wrangler geschweißt. Die Fahrer bewiesen Humor: Ein Schweizer Teilnehmer antwortete am Samstag Abend auf die Frage, wie es so laufe: „Super! Nur einmal umgefallen!“ Ebenfalls ein Schweizer brachte es fertig, sich in der Sektion 6 zu überschlagen, landet wieder auf allen vier Rädern und fährt unter viel Applaus weiter und die Sektion zu Ende. Angesichts der Schwierigkeit, alle vier Räder bei bergauf oder bergab Fahrten am Boden zu behalten meinte Benjamin Krenzer „Zum Mittag gab’s Lachs, da können wir jetzt besser bergauf schwimmen.“ Ob es den Modified-Fahrern geholfen hat? Dieter Rückert musste leider einen Fehler des sonst so versierten Schrauberteams ausbaden: Beim Tausch einer defekten Welle übersahen die Schrauber ein bisschen Dreck... die Folge war die nächste defekte Welle plus ein Lenkungsschaden! Die Wildcard-Piloten Ronny Simon und Steffen Dziersk hatten mit der Aufregung des Fahrers zu kämpfen: Ronny erinnerte an Michael Klag letztes Jahr in Norwegen, aber „Klaggern“ war sicher noch nervöser als Ronny. Die beiden fuhren ihre acht zu bewältigenden Sektionen in Rekordzeit: sie waren die ersten bei der Bordkartenabgabe um, man höre und staune, 13:15 Uhr. Für die deutsche Mannschaft sah es am Ende des Tages sehr gut aus: In der Klasse Original lag Norbert Sollner auf dem dritten Rang, Dominik Keuper hatte in der Sektion 4 seinen „Idefix“ nach einem Fahrfehler auf die Seite gelegt: Abbruch und nur Rang fünf am Samstag für ihn. Eine Klasse höher führten Wolfgang und Inge Fröls sogar die Wertung an. Die Klasse Modified führte mit Torsten Fuchs den ersten Deutschen auf Rang vier in der Liste, dafür standen mit Christof und Harald Schumann mit ihrem „Opelix“ und Andreas Riethmüller und Tim Müller mit „Cinderella“ auf Rang eins und zwei der Pro-Modifieds. Thomas Stoppa haderte mit dem Schicksal. Da warf er seinen Prototyp „Mantis“ beim Versuch die Torstange zu umfahren im ersten Tor der Sektion 15 auf die Seite. Kommentar des Fahrers: „Mann, ist mir das peinlich…“ In dieser Klasse, sonst in eiserner Hand der Skandinavier, taucht ein gewisser Marlon Lewandowsky auf Rang drei auf! Davon versprach sich am Samstag abend noch so mancher eine Überraschung für Sonntag. Ein wenig überraschend war auch der Regen, der Samstag spät abends niederrauschte. Das sommerlich heiße Wetter hatte den Tag über mit bewölktem Himmel ein wenig Pause gemacht. Sehr zum Glück der Streckenposten, die den ganzen Tag auf den Beinen waren. Das Fahrerdinner am Samstag abend wurde so gut angenommen, dass kurz nach neun Uhr nur noch wenige Reste am Buffet übrig waren. Schade für die, die bis dahin noch gearbeitet hatten... Sonntag morgen tröpfelte es nur noch wenig und allerorten machten sich Mutmaßungen über den Streckenzustand breit. Mehr Grip? Weniger Grip? Unfahrbare Sektionen? Alles halb so wild, der Regen war nur so viel, dass er die ersten Zentimeter des Bodens durchfeuchtet hatte. Damit gab es mehr Grip als am Vortag. Norbert Sollner musste seine Hoffnungen auf einen Podiumsplatz früh begraben: zwei Abbrüche in den ersten beiden Sektionen, das war zu teuer. Dominik Keuper dagegen lies nichts anbrennen. Mit einem sechstbesten Tagesergebnis fuhr er vor aufs Podium auf Platz 3 in der Gesamtwertung. Eine ähnliche Aufholjagd starteten David und Daniel Eberle von den Allrad-Freunden-Heidelsheim: mit dem drittbesten Tagesergebnis sicherten sie sich Platz 4 bei ihrem allerersten Eurotrialauftritt. Sieger in der Klasse Original wurden Janos Konya und Tamas Oross aus Ungarn auf einem Suzuki Jimny. Sascha Klute reihte sich leider in die Starter ein, die einen Überschlag notieren mussten. In der Sektion fünf galt es eine tiefsandige Auffahrt zum Tor 3 zu bewältigen. Stand man dann vor dem Tor, stand man meist äußerst kippelig da. Und Sascha war es zu kippelig, er überschlug sich zweifach auf der anderen Seite der Auffahrt. Außer Blechschaden gab es keine ernsten Verletzungen. Nur das zweitbeste Tagesergebnis fuhren Wolfgang und Inge Fröls ein. Doch es reichte hinlänglich aus, um mit Abstand den Pokal für den Europameister in der Klasse Standard zu gewinnen. Mindestens genauso freuten sich Ronny Simon und Steffen Dziersk: sie wurden sechste in dieser Klasse, haben alles ordentlich und ohne Schäden befahren: Kontinuität zahlt sich eben auch aus. Ein paar Kuriositäten gab es auch noch zu beobachten. Stehvermögen bewies beispielsweise ein englisches Team: nachdem sich der erste Teilnehmer des Doppelstarts fünfmal überschlagen hatte, standen die beiden nach der erneuten technischen Abnahme ca. 5 Minuten später wieder an der Sektion. Weiter geht’s! Ein anderer Teilnehmer aus England überschlug sich einmal und das Fahrzeug blieb auf der Seite liegen. Vom Streckenposten gefragt, ob er aussteigen wolle antwortete der Beifahrer. „Wieso? Sind wir schon fertig??“ Torsten Fuchs konnte sein Vortagesergebnis nicht wiederholen. Dafür drehten Michael Gereke und Timo Wolfer mächtig auf. Das zweitbeste Tagesergebnis sicherte ihnen auch den Vize-Europameistertitel in der Klasse Modified. Damit wiederholten sie ihren Erfolg aus dem Jahr 2007 in San Marino. Die Europameister kommen aus der Tschechischen Republik, Marek und Jakub Michal mit ihrem „Semacruiser“. So nebenbei ist Marek auch der Teamleiter der Tschechen. Bei den Pro-Modifieds blieb es fast identisch bei dem Ergebnis von Samstag: Christof Schumann und sein Vater Harald fuhren den Europameistertitel heim in die Pfalz, und Andreas Riethmüller und Tim Müller standen als zweite auf dem Podium. Wie die Vereinskollegen Gereke und Wolfer standen auch sie schon in San Marino auf dem zweiten Platz, damals jedoch noch in der Klasse Standard. Harald Schumann, der mit Christof einen Doppelstart auf „Opelix“ fuhr, gab am Sonntag irgendwann auf. Nachdem Sohn Christof die Sektion 16 korrekt befahren hatte, nahm Harald mit Anlauf das letzte Tor für das erste. Alles Aufschreien half nichts mehr, der perfekte Flug durch Tor 5 war nicht mehr zu verhindern – Abbruch. Der größte Prototyp kam aus Russland. Der „Tractor“ von Dimitry und Sergey Lysakov könnte allerdings auch „Monstrum“ heißen, der Proto ist einfach nur riesig. Daher befürchteten die Streckenposten an der Sektion 15 das Schlimmste für die Torstangen, als er heranrollt und bewaffnen sich schon vor dem Start mit Hammer und Messlatte. Dimitry hat das Monster jedoch gut im Griff und verlässt die Strecke mit nur zweimal Torstange berühren! Überhaupt lieferten die Russen noch eine weitere schöne Geschichte: Einem russischen Teilnehmer war wohl zwischenzeitlich die Bedeutung der A und E-Schilder entfallen. Er stellte sich mit seinem Auto am E (!) Schild an, um in die Sektion hereinzufahren. Vom Streckenposten mehrmals gefragt, ob er sich wirklich absolut sicher sei, hier starten zu wollen durfte er schließlich losfahren. Nach dem zwingend folgenden Abbruch und der Erklärung durch den Streckenposten, stand der Fahrer noch lange kopfschüttelnd vor der Sektion... Am Sonntag überschlug sich Dirk Lewandowsky im 2. Tor der Sektion 15 und blieb auf dem Dach liegen. Nachdem das Auto wieder auf den Rädern steht, folgte der Kommentar von Sohn Marlon, der die Sektion vorher fehlerfrei absolviert hatte: „ Vadder, DAS war der falsche Gang.“ Dirk gab schließlich irgendwann auf um Marlon Schützenhilfe zu leisten. Marlon lies schon fast den Kopf hängen, da ihm Konkurrent Tommy Olsen enteilte. Da kam ihm der Defektteufel zu Hilfe: Tommy kam einen Steilhang nicht hinauf und fing sich einen technischen Defekt ein. Somit lief die Uhr wieder für Marlon. Doch es reichte nicht. Marlon blieb in der Rangliste zwar vor Tommy, das Podium fuhren jedoch andere aus. Und wie könnte es anders sein, sie kamen aus Schweden und Norwegen. Mit einer Glanzleistung von nur 78 Fehlerpunkten am Sonntag sicherte sich das Team Knut Harald und Tom Jarle Dahl aus Norwegen den Europameistertitel in der Königsklasse. Aber die Mannschaftswertung, da war das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die neun besten Fahrer einer Nation gehen in die Wertung für den Cup of Nations ein. Und da sah es verdammt gut aus für die deutsche Nationalmannschaft. 15 Nationen hatten ihre Spitzenfahrer geschickt, und es wurde spannend. Nachdem Norwegen auf den dritten Platz gebeten wurde, wurden die Jubelschreie gleich zweier Mannschaften laut als Ungarn auf Platz zwei landete. Der Rest ging unter in Umarmungen, Jubel und Fahnenschwenken. Die Party war lang und lustig, alle lagen sich in den Armen: Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen. Dieser Titel von Xavier Naidoo bringt es auf den Punkt und begleitete uns während der gesamten Euro. Alle haben zusammengehalten, auch die Stadt Eisenberg und das Sandwerk Klausing halfen wo sie konnten. Um niemanden zu vergessen ein Danke an alle für alles. Ein Schatten legte sich anfangs über sie Veranstaltung, da das Rahmenprogramm nicht stattfinden konnte – aber umso positiver gestaltete sich das Ende. Dank einer zusammenhaltenden Gemeinschaft, die es vorher so nicht gegeben hatte, wurde der Eurotrial reibungslos durchgezogen. Allen voran Jürgen Wagner, 1. Vorsitzender des VDGV, der die Helfer motivierte, den Ablauf neu organisierte, Probleme löste, und sich nicht zu Schade war selbst mit anzufassen. Der Wermutstropfen zum Schluss ist, dass die Klärung vieler einzelner Dinge noch nicht abgeschlossen ist. Trotzdem, wir freuen uns auf die Titelverteidigung in Schweden 2010! |